Die Erdgas-Revolution von Seat

Während alle von Elektromobilität reden und sich auf dieses Thema schmeissen, vergisst man schnell, dass wir ja schon seit Jahrzehnten eine ausgereifte, weitgehend umweltneutrale und vor allem alltagstaugliche Art der Mobilität im Talon haben – den Antrieb mit Erdgas.

Im VW-Konzern übernimmt jetzt Seat das Ruder in Sachen CNG. Wir haben uns die neuen TGI-Modelle der Deutsch-Spanier näher angesehen.

Unsere mobile Zukunft ist elektrisch – nur weiß derzeit niemand so genau, wie, wann und warum das eigentlich so sein sollte. Fakt ist, dass der Verbrennungsmotor noch lange kein Auslaufmodell darstellt, sein hauptsächlich von der Politik herbeigeredeter Abschied ist derzeit noch nicht absehbar. Zu viel Entwicklungspotential steckt in dieser Technologie. Fakt ist auch, dass sich Otto- und Dieselmotoren zukünftig den Platz im Auto mit alternativen Antriebstechniken und Treibstoffen teilen müssen. Nicht nur Elektromotoren oder Brennstoffzellen sind da gemeint.

Mit derzeit 160 Erdgastankstellen ist die Versorgung im Land mehr oder minder flächendeckend.

Eine bewährte und saubere Alternative, die nicht an Reichweiten-, Ladedauer oder fehlender Infrastruktur laboriert gäbe es schon seit langem: den Erdgasmotor. Der hat seine Kinderschuhe bereits vor einigen Jahrzehnten abgelegt und zeichnet sich vor allem durch seine hervorragende Umweltbilanz und eine nicht zu leugnende Alltagstauglichkeit aus. Gerade für den Dieselantrieb ist Erdgas „auf der letzten Meile“ eine reizvolle Alternative. Und auch bei den Kosten und Umweltwerten schlägt Erdgas oder kurz CNG (Compressed Natural Gas) seine Konkurrenten deutlich. In den ersten fünf Monaten des heurigen Jahres wurden österreichweit über 300 CNG-Fahrzeuge neu zugelassen – das ist ein Plus von 300 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2017.

„Die Erdgas-Fahrzeuge haben neben den Eletroautos in den kommenden Jahren sicher ihre Daseinsberechtigung!“

Rudolf Glass, Pressesprecher SEAT Austria

Ein Kilogramm Erdgas entspricht dem Energiegehalt von 1,28 Liter Diesel oder 1,44 Litern Benzin.

Mit zukünftigen innerstädtischen Fahrverboten hätten CNG-betriebene Fahrzeuge somit keine Probleme. Sogar gegenüber Elektrofahrzeugen könnten sich die mit CNG angetriebenen Fahrzeuge behaupten, denn angesichts des europäischen Energiemix ist der CO2-Fußabdruck der E-Mobile nur geringfügig kleiner als bei den CNG-Modellen. Erdgas gilt von Natur aus als besonders reiner Kraftstoff. Sein Hauptbestandteil ist Methan, welches pro Molekül lediglich ein Kohlenstoff-Atom enthält. Außerdem verbrennt CNG nahezu feinstaubfrei und mit deutlich geringeren Schadstoffemissionen als Benzin- oder Dieselkraftstoff.

Die vergleichsweise saubere Verbrennung im Erdgas-Motor ist die eine Seite der Medaille, die Tatsache, dass es sich um einen fossilen – also endlichen – Treibstoff handelt jedoch die andere. Doch auch in dieses Thema ist Bewegung geraten. Seit mehreren Jahren testet beispielsweise das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg, wie die Technologie der Umwandlung von Elektroenergie in Gas in den Verkehr eingebunden werden kann. Durch Windkraft erzeugter Strom wird dabei zunächst zur Aufspaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff eingesetzt. In einem zweiten Schritt wird dem Wasserstoff Kohlendioxid zugeführt und es entsteht Methan, welches die Techniker synthetisches Erdgas oder e-Gas nennen. Dies kann dann als Treibstoff für Erdgas-Motoren verwendet werden.

Seat wird konzernweiter Technologieführer bei CNG-Fahrzeugen

Der VW-Konzern schießt sich vehement auf das Thema CNG ein. Derzeit findet man bei fast jeder Konzern-Marke CNG-Modelle. Und da sind Bestseller wie VW Golf, VW Up, Skoda Octavia, Seat Leon oder Audi A3 dabei. Allesamt Lieblinge der österreichischen Autokäufer. Innerhalb des Volkswagen Konzerns ist Seat die führende Marke für die CNG-Strategie. So kündigte der Vorstandsvorsitzende an, dass das Technologiezentrum von Seat, in dem über 1.000 Ingenieure tätig sind, für den Volkswagen Konzern die CNG-Technologie noch weiter vorantreiben wird.

Seats erklärtes Ziel ist es, sich als Technologiezentrum von internationalem Rang zu etablieren:

Wir möchten dieser Technologie unbedingt den Stempel „Made in Spain“ aufdrücken und sind davon überzeugt, dass unsere Pionierleistung von Erfolg gekrönt sein wird.“

Ab sofort ist der Seat Ibiza TGI Style ab 15.990 Euro zu haben (inklusive € 2.000 Erdgas-Bonus). Der Ibiza TGI ist nach dem Leon und dem kleinen Mii das dritte CNG-Modell. Gegen Ende des Jahres wird es dann das weltweit erste SUV mit CNG-Antrieb geben: Den Seat Arona TGI.

Der neue Seat Ibiza 1.0 TGI

Auch der 90 PS starke Seat Ibiza TGI ist bivalent – er kann sowohl mit Erdgas als auch Benzin betrieben werden. Er ist der umweltfreundlichste Ibiza aller Zeiten! Als Verbrauch werden fünf Liter auf 100 Kilometer im Benzinmodus und 3,3 Kilogramm Erdgas pro 100 Kilometer im Erdgasmodus angegeben. Im Betrieb mit Erdgas werden nur 88 Gramm CO2 pro Kilometer ausgestoßen – somit ist der Seat Ibiza TGI super sauber!

Gleich mal vorab: Der Erdgas-Ibiza fährt sich wie ein ganz normales Auto. In erster Linie fährt er mit Gas. Ist der Kraftstoff aufgebraucht, wird auf Benzinbetrieb umgeschaltet. Dies fällt nicht weiter auf, so wie auch der CNG-Betrieb selbst. Der kleine Dreizylinder klingt eine Spur rauer, das leicht verminderte Temperament fällt im Stadtbetrieb nicht wirklich auf. Wenn sowohl die 13 Kilogramm Erdgas als auch die 40 Liter Benzin in beiden Kraftstofftanks befüllt sind, kommt der Ibiza TGI bei sparsamer Fahrweise auf eine maximale Reichweite von 1.194 Kilometern. Einziger kleiner Wermutstropfen: Die im Unterboden positionierten und 13 Kilo fassenden CNG-Tanks schränken das maximale Kofferraumvolumen von 1165 auf nunmehr 1072 Liter ein.

Was spricht nun für den Erdgas-Seat?
Nun, zum einen einmal die hervorragende CO2 Bilanz im reinen Erdgas-Betrieb und wahrscheinlich auch die Tatsache, dass man kaum einen Unterschied zu einem herkömmlich betriebenen Automobil bemerkt. Eine zweite Tankanzeige, ein weiterer Stutzen zum Betanken – das war´s. Der Laie wird´s in der Regel nur an der Typenbezeichnung erkennen. Die zusätzliche Technik wird durch leicht erhöhte Listenpreise erkauft – das ist aber auch bei einem Diesel-Fahrzeug nicht anders.

SEAT IBIZA TGI
Leergewicht: ab 1239 kg
Kofferraum: 262 bis 1072 Liter
Getriebe: 5-Gang Handschaltung
Motor:1,0 CNG & Otto – Turbo
Leistung: max. 90 PS.
Preis: Ab 15.990 Euro (inklusive € 2.000 Erdgas-Bonus)

 

Ab Herbst gibt es auch den Seat Arona als TGI
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