Der neue Honda Prelude macht optisch auf rassiges Sportcoupé, die meiste Zeit des Tages ist er aber ein eleganter und lässiger Cruiser.
Honda Prelude. Um bei dem Namen Gänsehaut zu bekommen, muss man schon ein paar Winter hinter sich haben. Im letzten Drittel des vorigen Jahrtausends, was so klingt, als hätte erst kurz davor das letzte Mammut Österreich verlassen, war er unter den leistbaren Sportlern eine fixe Größe. Wissende sind demnach voller Vorfreude, Unwissende eh auch, weil wie viele echte Coupés gibt es als Neuwagen noch? So gut wie keine, und nein, SUV-Coupés zählen hier natürlich nicht.
Die Frage der Leistbarkeit ist freilich individuell zu beantworten. 51.990,00 EUR ist dann ja schon eine Stange Geld, zumal es dafür keinen Allrounder für die ganze Familie gibt. Für den Prelude gelten andere Parameter, mit Rationalität kommt man hier nicht weit. Mit Exklusivität schon eher, ein Prelude ist ein seltenes Ereignis, von dem her sind ihm hohe Aufmerksamkeit garantiert. Und wer es doch braucht – die Ausstattung ist bis hin zu BOSE Sound, 19“ Felgen, adaptive Dämpfer, Ledersitze oder Brembo-Bremsen ziemlich vollständig.
Zudem ist der Kofferraum mit 663 Litern richtig groß. Okay, erst nach Umlegen der Fondlehnen, aber hey, die Rückbank ist sowieso eher ein Missverständnis. So passt dann sogar ein Mountainbike locker rein, nicht zuletzt auch dank dem Fließheck samt großer Klappe. Vorne, und darauf kommt es wohl an, ist über mangelnden Freiraum nicht zu klagen. Die Sportsitze haben auch eine bequeme Note und man sitzt genau die Spur tiefer die es braucht, um sich gut integriert und auch sportlich zu fühlen.
Um das Gefühl in die Echtzeit zu transportieren, hat Honda sich zum Teil bei der hauseigenen Ikone TypeR bedient, ohne jetzt aber gleich dessen extremen Zugang zur Querdynamik 1:1 in den Prelude zu verpflanzen. Sagen wir so, der Prelude verfügt über sehr hohes Kurvenpotential, begeistert mit Agilität, präziser Lenkung und kräftigen Bremsen. Der letzte Schritt hin zum gnadenlosen Kurvenmonster wird aber am Altar des Komforts geopfert. Selbst im Sport-Modus bleibt der Honda gnädig.
Mit Blick auf den alternativlosen Hybrid-Antrieb passt das auch so. Die aus dem Civic bekannte Kombination aus Saugbenziner und E-Motor leistet auch im Prelude solide 184 PS. Detto bleibt die Besonderheit, dass der Benziner als Generator für den E- Antrieb dient und nur bei festem Druck aufs Gaspedal das Kommando übernimmt. Der offensichtliche Schwerpunkt auf Sparsamkeit lässt sich dafür mit der „S+“ Taste kaschieren. Sie aktiviert virtuelle Gangstufen, wer mag kann via Paddles selber schalten und einem vom Motor gesteuerten künstlichen Sound lauschen.
Das macht den Prelude nicht schneller, aber launiger und die eh schon spontane Kraftentfaltung gefühlt noch lebendiger. Abseits fahrdynamisch reizvoller Strecken lässt man den Pfeil eher im Köcher und freut sich über 5,4 Liter Verbrauch und ein fein ausstaffiertes Interieur. Die Verarbeitung ist top, der Touchscreen mit 10,2“ Größe und guter Übersicht samt Drehreglern und Tasten geht glatt als die gelungene Antithese zu digitalisierten Bedienlandschaften durch. Das führt final zu dem Kunststück, dem komplett emotional besetzten Honda Prelude eine rational gut spürbare Kaufempfehlung auf das nur 1,35 Meter flache Coupé-Profil zu kleben.
Echt lässig:
Seine pure Existenz.
Echt stressig:
Wenn man ihn als 2-Sitzer betrachtet nichts.
Echt fett:
Wieviel Überholprestige er hat.
Echt schade:
Manchmal dann doch die nicht überschäumende Motorleistung.
Daten Honda Prelude e:HEV 2.0 i-MMD Hybrid
Motor: 4-Zylinder Benziner/E-Motor (Vollhybrid)
Systemleistung: 184 PS
Systemdrehmoment: 315 Nm
Testverbrauch: ca. 5,4 Liter
Vmax: 188 km/h
0 auf 100 km/h: 8,2 Sek
Preis Testwagen ab EUR 51.990,00









