Auf der Alm da gibt´s ka Sünd und Ladestationen auch keine. Stimmt beides nicht, die zweite Behauptung haben wir mit dem Mercedes G580 EQ überprüft.
Es gibt einige wenige Modelle, die entziehen sich einem klassischen Testalltag, passen nicht zu gewohnten Routinen. Das kann am Preis, dem Charakter oder den nicht zu fassenden Talenten liegen. Bei der G-Klasse vereinen sich diese drei Kriterien unter einem Dach, relativ unabhängig von den Antrieben. Weil gewaltig motorisiert sind die alle, ganz gleich ob es im G 400d dieselt, im AMG G 63 bollert oder so wie in unserem vollelektrischen G580 EQ überhaupt nichts zu hören ist.
Das ließe sich via optionalem „G Roar“-Sound ändern, in echt wird man davon in etwa so oft Gebrauch machen wie vom G-Turn, also der auf losem Untergrund möglichen 360°-Drehung. So verspielt beide Features sein mögen, so klare Indizien sind die dafür, wo die G-Klasse in den letzten Jahren quasi gelandet ist. Den finanziell gut aufgestellten Jäger und Förster gibt es schon lange nicht mehr, die G-Klasse ist ein wahrer und global begehrter Showrunner geworden, ein Statussymbol für die Schönen und Reichen.
Die Schönheit mag da noch im Auge des Betrachters liegen, der Reichtum weniger. Als 580 EQ startet die G-Klasse bei 146.990,00 EUR, unser Testmodell schraubte sich via Extras auf 179.318,00 EUR. Wer an dem Punkt Sparpotential vermutet liegt tendenziell falsch, weil ohne temperierte Cupholder, ionisierter Innenraumluft und seitliche Trittbretter geht´s ja wohl nicht. Freilich ist auch essentielleres dabei, AMG-Schaulaufen, Burmester 3D-Soundanlage oder auch das “Exclusive Line“ – Interieur.
Serienmäßig gibt es die komplette Geländekompetenz. Die elektrische G-Klasse hat wie seine fossilen Geschwister die „Schöckl Approved“-Plakette, kann also auch den ganzen Offroadzauber, den sich unsereins maximal ins Stammbuch schreiben kann. Steigfähigkeit 100%, 35 Grad Steigungswinkel, Watttiefe 850 Millimeter und bei Bedarf selbstständige Bewegung im Gelände via intelligenter Offroad-Funktion. Was es final noch braucht, ist Mut und Gelassenheit hinter dem Lenkrad.
Eh Onroad auch, der Benz ist ja schon ein Trumm von Auto, da reicht auch manch Tiefgarageneinfahrt für spannende Momente. Und man spürt auch die über drei Tonnen Leergewicht, auch wenn 587 PS und 1.164 Newtonmeter aus vier E-Motoren eine Leichtigkeit des Seins recht erfolgreich vermitteln. In 4,7 Sekunden stürmt der elektrische Bulle von 0 auf 100 km/h, da bleibt sowohl aktiven als auch passiven Teilnehmern schon die Luft weg. Nicht minder beeindruckend ist der gewaltige Durchzug und die im Rahmen der Möglichkeiten hohe Kurvenfreude.
Man wird es nicht oft ausreizen. Wenn doch, dann mit Blick auf die Reichweite. Der Akku ist mit 116 kWh zwar riesig und 455 WLTP-Kilometer okay, auf den Straßen rund um und auf den Großglockner schmelzen sie aber schneller als die Pasterze. Soweit so vorhersehbar, der Benz hält mit maximal 200 kW-Laden dagegen, die Ladeinfrastruktur hilft mit einer breiten Ausrollung von Schnellladern am und um den Berg. Gratis ist dort zwar nur der Ausblick, in Kombination mit dem lederbezogenen kantigen Interieur und dem digitalen MBUX-Wunderland ergibt das aber eine einzigartige Stimmung.
Echt lässig:
Top of E-Mobilität.
Echt stressig:
Wie klein plötzlich alle anderen sind.
Echt fett:
Die vielen Talente, die man nie erleben wird.
Echt schade:
Die Preisliga, in der die G-Klasse spielt.
Daten Mercedes Benz G 580 EQ
Motor: 116 kWh Akku (netto)
Leistung: 587 PS
Max. Drehmoment: 1.164 Nm
Reichweite: ca. 320 Kilometer
Vmax: 180 km/h
0 auf 100 km/h: 4,7 Sek
Preis Testmodell ab EUR 179.318,00
Preis Basismodell ab EUR 146.990,00




