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Gut geschminkt ist halb gewonnen

  • 6. September 2017
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Den Kia Picanto kennt man als typischen Kleinwagen – lieb, nett und freundlich. Es sei denn er streift sich die Sportausführung „GT-Line“ über. 

Er ist dann immer noch nett und freundlich, sieht aber mehr wie eine fahrende Kampfansage aus. An wen? Ja, hm, an alle. Irgendwie. Zumindest haben wir diese Erfahrung im täglichen Gebrauch gemacht. An jeder 2. Ampel fühlte sich einer bemüßigt, die unausgesprochene Herausforderung anzunehmen. Oder, anderes extrem, der theoretische Kontrahent beschloß nach einer intensiven Musterung unseres Picanto der zu erwartenden Niederlage mit gaaanz langsamer Anfahrt aus dem Weg zu gehen.  

Der Kia Picanto sieht kriegerischer aus als er sich tatsächlich fährt.

Es war ihnen nicht zu verdenken, denn der Maximal-Picanto sieht tatsächlich nach einer Pocket-Rocket der allerfeinsten Sorte aus. Die hauseigene GT-Line inkludiert allerlei dynamische Anbauteile wie Seitenschweller, Doppelrohrauspuff, tief heruntergezogene Frontschürze oder Heckdiffusor. Fügt man noch 16-Zoll-Leichtmetallfelgen, getönte Scheiben und rote Farbakzente an Front und Seite dazu, erfährt der Picanto mehr Respekt als er sich jemals zu erträumen gewagt hat. 

Stellt sich natürlich unweigerlich die Frage nach dem Antrieb. Ein Ratespiel mit Unwissenden ergab einen Durchschnittswert von rund 120 PS, die Fortgeschrittenen ergänzten ihre Schätzung noch um einen 3-Zylinder-Turbo. Das es in echt turbolose 84 Pferde aus einem 4-Zylinder-Benziner mit maximal 122 Newtonmeter an Drehmoment sind, hinterließ de facto alle überrascht. Manche waren auch ratlos, enttäuscht. Was beweist, dass es im Leben sehr oft auf die Erwartungshaltung ankommt. 

Für sich betrachtet macht der Motor seine Sache nämlich recht gut.

Er reagiert spontan aufs Gas, dreht eifrig hoch und rennt maximal 173 km/h. Die obligatorische 5-Gang-Handschaltung ist gut auf die Leistungsdaten abgestimmt und läßt sich präzise bedienen. So ist der Picanto GT-Line innerstädtisch immer vorne dabei. Fährt man aufs Land sieht die Sache ein wenig anders aus. Da ist mitschwimmen angesagt, Haltung bewahren, tapfer sein. Mehr geht nicht. Steht ja auch nicht im Lastenheft eines Kleinwagens, aber wie gesagt, das Auge übermittelte dem Hirn andere Signale. 

Dafür bleiben viele andere Sachen zum Staunen. Wir hätten zum Beispiel nicht erwartet, dass ein Kleinwagen Navigation mit Android Auto und Apple CarPlay und induktivem Smartphone-Laden und Vollledersitze offeriert. Auch staunten wir nicht schlecht über die feinen Platzverhältnisse in Reihe Eins, dem sehr erfrischen gestyltem Interieur und, das war die vielleicht größte Überraschung, dem nicht zu harten Fahrwerk. Bleibt die Erkenntnis, dass der Picanto auch als GT-Line eine echte Empfehlung ist. Und jetzt wissen sie ja auch, was sie erwartet.   


Was er kann:
Schneller aussehen als er ist. 

Was er nicht kann:
Sein fahrdynamisches Potential ausreizen. 

Extralob gibt es:
Für den Hauch Machismo. 

Ändern würden wir:
Mehr Power wäre trotzdem fein.   


Daten Kia Picanto GT-Line
Motor: 4-Zylinder Benzin-Motor 
Hubraum: 1.248 ccm
Leistung: 84 PS
Max. Drehmoment: 121 Nm bei 4000 U.
Testverbrauch: 5,9 Liter
Vmax: 173 km/h
0 auf 100 km/h: 12,0 Sek.
Preis ab EUR 15.990,00 

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