Denkt man an ein neues Elektroauto aus China ist da mittlerweile recht schnell ein halbwegs konkretes Bild vor Augen. Der Nio ET5 ist davon genau das Gegenteil.

Alleweil hört man von den neuen chinesischen Marken und Modellen. Manche weilen schon länger unter uns, andere erst seit Kurzem, trotzdem werden alle mehr oder weniger in einen Topf geworfen. Das bringt in vielen Köpfen einen Einheitsbrei mit sich, den es in der Form gar nicht gibt. No na überwiegt die Anzahl der SUV´s, aber auch das nicht zwingend. Bestes Beispiel ist Nio, wo nach dem kleinen Firefly jetzt der als Limousine und Kombi erhältliche ET5 für Aufsehen sorgt.
Das gilt auch für den Preis. Wir fuhren die Limousine als „Long Range“, heißt Ab-Preis von 68.790,00 EUR, unser Testmodell landete via einiger Extras bei 73.750,00 EUR. Da mag jetzt ein Raunen durch die Leserschaft gehen, für einen Newcomer ist das schon eine starke Ansage. Doch der Nio ET5 kommt nicht mit leeren Händen. Allein sein Design ist ein absoluter Bringer. Alles wirkt wie aus einem Guss, die glatt gebügelte Front mir ihrer Shark Nose würden wir als echtes Highlight klassifizieren.
Fragen nach dem Platzangebot stellen sich zu Recht, es darf insofern Entwarnung gegeben werden, als dass genug davon vorhanden ist. Selbst auf der Rückbank lässt es sich gut aushalten, nur die Hochsteckfrisur sollte man sich dort eventuell verkneifen. In den Kofferraum passen immerhin 394 bis 1.135 Litern, die etwas kleine Heckklappe könnte dann und wann ein Ärgernis darstellen. Dafür verströmt die
„Sunbath Yellow“-Lackierung Fröhlichkeit, die optionalen 20-Zöller eher weniger.
Man kommt um eine dynamische Erwartungshaltung nicht umhin, welche der ET5 eh locker erfüllt. 490 PS aus zwei Motoren, 700 Newtonmeter und Allradantrieb bilden die heilige Dreifaltigkeit der Fahrfreude. Damit wird die 100 km/h- Marke in glatten vier Sekunden eingestampft, mindestens genauso beeindruckend ist die Tatsache, dass einem selbst im Sportmodus nicht die Gesichtszüge entgleiten. Eine Rakete mit Manieren. Trotzdem Rakete, Überholvorgänge dauern keinen Wimpernschlag.
Dass das Fahrwerk straff ausgelegt ist, passt da gut ins Bild. Auf ein adaptives Dämpfersystem hat Nio verzichtet, man meint es eben ernst. Das trotz aller Agilität ein gewisses Maß an Komfort spürbar ist, nimmt man trotzdem gerne. Der Alltag ist keine Rennstrecke und der Akku kein Perpetuum Mobile. In der „Long Range“-Variante fasst er netto 90kW, was ein Bleifuß mit einer WLTP-Reichweite von 590 Kilometern anrichten kann, ist aber auch bekannt. 450 Kilometer inklusive etwas Unvernunft sind aber immer drin, geladen wird mit maximal 125 kW.
Der ET5 ist für seinen Lenker eh in den ruhigen Momenten auch da. Via Komfort-Paket lässt es sich auf klimatisierten Ledersitzen mit Massagefunktion lümmeln, während die 23 Lautsprecher des Soundsystems Musik zum Erlebnis machen. Das klingt nicht nur hochwertig, ist es wie das gesamte Interieur auch. Verarbeitung und Materialien sind Top, der reduzierte Look sowieso. Dass die Bedienung rein über den 14,5“ großen Touchscreen läuft ist angesichts der guten Menüführung okay.
Zudem gibt es mit der NOMI-Sprachsteuerung ein richtig cooles Tool, das bei Bedarf via quasi Kopf im Armaturenbrett auch ein freundlich schauendes Gesicht bekommt.
Echt lässig:
Wie locker der ET5 seinem Preis gerecht wird.
Echt stressig:
Die Bedienung. Bis man mit NOMI auf „Du“ ist.
Echt fett:
Akku tauschen statt laden. In China ganz normal, bei uns dauert es noch.
Echt schade:
Kein Head-up Display erhältlich.
Daten Nio ET5 Long Range
Motor: 90 kWh Akku (Netto)
Spitzenleistung: 490 PS
Max. Drehmoment: 700 Nm
Reichweite: ca. 470 km
Vmax: 200 km/h
0 auf 100 km/h: 4,0 Sek
Preis Testmodell ab 68.790,00 EUR
Preis Basismodell ab 59.990,00 EUR


















