Sich nicht um optische Trends scherend, brilliert der Mercedes GLB 250+ EQ trotzdem (oder gerade deshalb) als rundum gelungenes E-SUV.
SUV´s sind in Mode und können sich echt alles erlauben, ja sogar als Coupé dürfen sie sich bezeichnen. Und die Leute stehen drauf, eine automobile Welt ohne SUV´s ist nicht denkbar. Wobei wir das einst wohl auch über die Van´s dachten. Na ja. Der GLB war stets quasi ein heimlicher Verwandter der Van´s. Hergeleitet aus der B-Klasse und damit so sexy wie ein Butterbrot, war er aber derart konsequent auf ein Maximum an Nutzen ausgerichtet, dass man sich trotzdem zu ihm hingezogen fühlte.
Die neue Generation hat daran eh nichts verändert, nur halt wie üblich optimiert. Der GLB EQ ist beim (be)laden ein Hit. 540 -1.715 Liter Kofferraumvolumen und maximal 320 kW schnellladen schenken einander nichts. Freilich wird man beides nicht immer in der Größenordnung nutzen, aber zu wissen, dass man es könnte hat ja auch was. Und ja, einige Minuten weniger an der Ladesäule sind wichtig, nicht jeder Ladepark ist ein lauschiges Plätzchen, dass länger als unbedingt nötig zum Verweilen einlädt.
22 Minuten vergehen für den Ladesprint von 10 auf 80%, die 800 Volt-Technik speist den netto 85 kWh großen Akku auf konstant hohem Niveau. Der 250+ ist in Sachen Leistung im oberen Drittel angesiedelt, über ihm rangiert lediglich der eventuell dank 4Matic interessante 350er. Für alles abseits des Allradantriebes ist unser Testmodell aber die harmonischere Wahl. 272 PS Maximalleistung und 335 Newtonmeter sorgen für hervorragende Fahrleistungen. In 7,4 Sekunden sprintet der Benz auf 100 km/h, Kraft ist stets im Überfluss vorhanden ohne dass sie überfallsartig über einen herfällt.
Als WLTP-Reichweite gibt Mercedes 632 Kilometer an, der Verbrauch soll bei 15,8 kWh liegen. Da kommen nicht nur ob der freudigen Leistungsabgabe Zweifel auf, die kastenartige Form samt waagrechter Dachlinie und steil abfallendem Heck schreit ja auch nicht zwingend nach Aerodynamik. Doch siehe da, der GLB 250+ weiß die Ressourcen sorgsam zu nutzen, selbst mit akkuratem Autobahnanteil blieben wir stets im Bereich von 17 kWh auf 100 Kilometer und kratzten damit recht beharrlich an der 500 Kilometer Reichweitengrenze.
Freilich ginge auch weniger, das dem Komfort zugewandte Fahrwerk hat auch seine agilen Momente. Als stimmig erweist sich am Ende des Tages aber dann doch eher die ruhigere Gangart. Selbst die AMG-Line ändert da wenig, die Sportsitze sind eh bequem auch und Zierelemente aus Aluminium mit Carbonschliff zwingen einem ja auch keine Hektik auf. Lieber die feinen Materialien und die fehlerlose Verarbeitung würdigen und sich in Ruhe mit der Bedienung des Hyperscreens vertraut machen.
Drei Displays füllen die gesamte Fahrzeugbreite, so bedrohlich das auch aussehen mag, so rasch geht einem das Handling ins Blut über. Die Tücken stecken eher im Detail, so konnten wir den Vorteil einer Umschalttaste für die hinteren Fensterheber nicht namhaft machen. Dafür die feinen Platzverhältnisse, Kofferraum hatten wir schon, aber auch die Passagiere haben es fein. Dazu trägt die faire Ausstattung der AMG-Line ihren Teil bei, das „Premium Paket“ bleibt aber als Kaufempfehlung.
Unser Testmodell hatte noch das ein oder andere Extra mehr, was die 71.450,00 EUR sowohl gut erklärt als auch widerspiegelt.
Echt lässig:
Mut zur Kante.
Echt stressig:
Der Preiskampf gegen die Chinesen.
Echt fett:
Die zunehmende Demokratisierung der 800-Volt Technik.
Echt schade:
Dass sich die Meisten die freundliche „Aquamint“-Lackierung nicht trauen werden.
Daten Mercedes GLB 250+ EQ
Motor: 85,0 kWh Akku (Netto)
Spitzenleistung: 272 PS
Dauerleistung: 197 PS
Max. Drehmoment: 335 Nm
Reichweite: ca. 480 km
Vmax: 210 km/h
0 auf 100 km/h: 7,4 Sek
Preis Basismodell ab 48.070,10 EUR
Preis Testmodell ab 57.890,00 EUR










