Über den Mazda MX-5 ist eigentlich schon alles gesagt, trotzdem ergeben sich bei jedem Test wieder neue Eindrücke. Liegt vielleicht am (eigenen) Jahrgang.
Angeblich ist man nur so alt wie man sich fühlt. Der Kalenderspruch mag schon seine Richtigkeit haben, die Realität hat mitunter aber das Talent, das gefühlte Alter in den Boden zu stampfen. Der MX-5 kann das auch recht gut. Wenn er so vor uns steht, in „Deep Crystal Bue“-Metallic und dem für das „Kazari“-Sondermodell exklusiven beigen Stoffverdeck fühlen wir uns glatt wie Mitte 30. Steigt man ein, was eher einem steilen Abstieg in eine enge Schlucht gleicht, sind wir dann eh wieder Mitte 50.
Die Kombination beim Mazda ist einzigartig. Einerseits garantiert er wie kein anderer die pure Freude am Autofahren, andererseits verlangt er dafür auch Zugeständnisse. Im Cockpit ist es relativ eng, von dem was die Meisten unter Komfort verstehen, hat der MX-5 auch wenig zu bieten. Und wer glaubt nach dem Einstieg das Schlimmste hinter sich zu haben, hat wohl das Aussteigen nicht bedacht. Es gibt kaum Ablagen, die Einzige, welche wirklich etwas taugt fasst 130 Liter und nennt sich Kofferraum. Wobei der Name irreführend ist, Sporttaschenraum wäre stimmiger.
Der Punkt ist – in dem Moment, wo man mit zwei Handgriffen das mechanische Verdeck entriegelt und nach hinten geworfen hat, den Motor startet und losrollt, ist das alles sowas von komplette Nebensache. Ab da hat dich der MX-5 für seine Sache gewonnen und du willst nichts Anderes mehr, als Fahren. Egal wohin, wenn geht irgendwas mit Kurven abseits von Hauptverkehrsrouten. Autobahn geht auch, wobei der Wohlfühlfaktor hier enden wollend ist. Selbst normale Kombis wirken hier riesig, SUV´s und Wohnmobilen mutieren zu Häusern auf Rädern.
Also lieber Landstraße, wo sich der kleine Roadster pudelwohl fühlt. Im Rahmen der letzten Modellpflege wurde der stärkere Benziner leider aussortiert, geblieben ist der 132 PS starke Vierzylinder. Mangels Turbo liegt das maximale Drehmoment von 152 Newtonmeter erst bei 4.500 Umdrehungen an, sprich, es darf ordentlich im gewohnt knackigen 6-Gang-Schaltgetriebe gewühlt werden. Und ja, wir meinen „dürfen“, weil es gemeinsam mit dem Heckantrieb der Fahrdynamik die Krone aufsetzt. Den MX-5 erlebt man nicht nur mit allen Sinnen, man ist auch aktiver Teil davon.
Angesichts von lediglich 1,1 Tonnen Leergewicht reicht die Leistung völlig, Mut zur Drehzahl ist aber zwingend von Nöten. Dann geht es in 8,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h, stets begleitet von einem leicht heiseren Sound. Eh klar begeistert der MX-5 mit einer genialen Agilität. Er liegt wie das sprichwörtliche Brett, nur unter Vorsatz mag man ihn an seine Grenzen bringen. Neu ist ein „Track Mode“, wo das ESP seinem Fahrer mehr Spielraum lässt, ohne ihn komplett von der Leine zu lassen.
Ständig optimiert hat Mazda auch das Interieur vom MX-5. Das mag jetzt nicht das Allerwichtigste sein, aber BOSE-Sound, Matrix-LED oder Sitzheizung will man auch in einem klassischen Roadster eigentlich nicht mehr missen. Ist im Sondermodell „Kazari“ alles serienmäßig dabei, detto das schicke beige Nappa-Leder, Navi, Keyless und der völlig zu Unrecht akut vom Aussterben bedrohte Dreh-Drückregler. Dass die Bedienung ein Selbsläufer ist, versteht sich da von selber. Preis? Als „Kazari“ startet der Mazda MX-5 1.5L Skyactiv-G startet bei 40.400,00 EUR.
Echt lässig:
Dass Weniger so richtig viel Mehr sein kann.
Echt stressig:
Die Gewöhnung an den Blick in die SUV-Auspuffrohre.
Echt fett:
Dass es in der Zukunft einen (teil)elektrifizierten MX-5 geben soll.
Echt schade:
Bissl leid ist uns schon um den 184 PS-Benziner.
Daten Mazda MX-5 1.5L Skyactiv-G 6MT Kazari
Motor: 4-Zylinder Benziner
Leistung: 132 PS
Max. Drehmoment: 152 Nm / 4500 U.
Testverbrauch: 6,4 Liter
Vmax: 204 km/h
0 auf 100 km/h: 8,3 Sek
Preis ab EUR 40.400,00









