Realistisch betrachtet übersteigt der Hyundai Ioniq 6 N mit seiner Interpretation von supersportlicher E-Mobilität unsere Fähigkeiten. Der Versuch eines Berichtes.
Die N-Historie von Hyundai ist eigentlich eine recht kurze, 2017 war der i30 N der Erste seiner Zunft. Dass trotzdem sofort jeder ein glänzen in den Augen bekommt, wenn man von echten N-Modellen spricht ist wohl der Tatsache geschuldet, dass die Koreaner hier von Beginn an keine faulen Kompromisse auf den Markt gebracht haben. Und das ganz offensichtlich ausreichend Bedarf an derartigen Spaßmachern bestand und, trotz (oder gerade wegen?) der E-Mobilität immer noch besteht.
Eine unmittelbare Folge der N-Modelle war die sportliche Ausstattungslinie N-Line. In solcher fuhr unser zuletzt getesteter Ioniq 6 4WD mit 325 PS vor. Angesichts seiner Performance stand im Bericht: „Dass die N-Variante doppelt so viel Leistung hat, packen wir da gerade überhaupt nicht“. Da würden wir gern ergänzen, dass wir auch nach unserem Test des quasi „echten“ Ioniq 6 N dessen Leistung nicht packen. Und das in allen Bereichen. Längs- und querdynamische Kompetenz. Hoher Aufwand mit Liebe zum Detail. Und natürlich die nackten Zahlen.
Die mit aktiviertem N-Grin-Boost 650 PS des Ioniq 6 N stellen auch bei den mit viel Leistung verwöhnten Elektroautos eine beeindruckende Zahl dar. Genauso wie die maximalen 770 Newtonmeter Drehmoment, wobei die Tatsache, dass es einen N-Grin Boost gibt, vielleicht sogar mehr aussagt als die 3,3 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h oder die mögliche Höchstgeschwindigkeit von 257 km/h. Für 10 Sekunden steht der Boost zur Verfügung, für die ständig wiederkehrenden Momente, wo die regulären 609 PS und 740 Newtonmeter nicht ausreichen. Man kennt das ja.
Beeindruckend ist auch die Bandbreite, wie man diese Urgewalten erleben bzw. von der Leine lassen kann. Klassisch als lautlosen Raketenstart, oder als lebensnahe Simulation eines grantigen Turbobenziers via N-e-Shift Achtgang-Doppelkupplung, Drehzahlbegrenzer, brabbeln aus den Lautsprechern und N Active Sound+. Das fühlt sich so verrückt an wie es ist, ist aber auf jeden Fall ein Erlebnis, dem man sich mal mehr mal weniger bereitwillig ausliefert.
Dabei ist der Ioniq 6 N kein via Software aufgebrezelter Stromer. Augenscheinliches wie 20-Zoll Schmiedefelgen, Seitenschweller, rote Bremssättel oder der massive Heckspoiler geben die Richtung vor. Adaptives Sportfahrwerk oder auch die elektronisch einstellbare Differentialsperre sind weitere Features. Im Interieur wirbeln optionale Schalensitze, Sportlederlenkrad, Sportpedale, viel Alcantara und N-Tasten für den direkten Zugriff auf die N-Welt mächtig viel Staub auf.
Unverändert bleibt salopp formuliert lediglich der netto 84 kWh fassende Akku. Die WLTP-Reichweite von 487 Kilometer variiert noch stärker als bei „normalen“ Autos, essentieller ist eh die via 800 Volt-Technik mögliche maximale Ladeleistung von 350 kW. Damit einher geht ein Leergewicht von 2,2 Tonnen, die man in manch Kurve schon spürt. In echt aber liegt der Ioniq 6 N wie ein Brett und erwartet dabei Sachen von uns, die unsere Grenzen weit übersteigen. Seine Grenzen? Keine Ahnung.
Der Hyundai Ioniq 6 N startet bei 77.490,00 EUR, via diverser Boni gibt es ihn derzeit ab 66.990,00 EUR. In Relation zum Gebotenen ist das ein absolutes Schnäppchen.
Echt lässig:
Hyundai.
Echt stressig:
Ihn in seiner ganzen Herrlichkeit zu erfahren. Ist uns nicht gelungen
Echt fett:
Die Vollausstattung. Matrix-LED, Head-up Display und vieles mehr.
Echt schade:
Dass man fast übersehen könnte, dass das einfach auch ein gutes E-Auto ist.
Daten Hyundai Ioniq 6 N
Motor: 84,0 kWh Akku (Netto)
Spitzenleistung: 650 PS
Dauerleistung: 216 PS
Max. Drehmoment: 400 Nm
Reichweite: ca. 390 km
Vmax: 257 km/h
0 auf 100 km/h: 3,3 Sek
Preis Testmodell ab 77.490,00 EUR