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Bayern brachial

  • 19. Oktober 2014
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Ein neuer BMW M3 ist immer wieder ein bewegender Augenblick. Vergleichbar mit der Geburt eines neuen Neunelfers. Und diesem kommt der Neue schon ziemlich nahe. Diesmal launchte BMW seinen Paradesportler gleich im Doppelpack. Das Coupé als M4 und die Limousine als M3. Technisch völlig ident, bietet der M3 klarerweise dank zweier zusätzlicher Türen zusätzlichen Alltagsnutzen – ohne allerdings bei den Dynamikwerten zu schwächeln.

Unser Testwagen war in diesem kreischenden Yas Marina-Blau-Metallic lackiert. Diese Farbe entspricht zwar nicht den Vorlieben des gelernten BMW M-Käufers – der tendiert eher zu Schwarz oder Grau – man muss allerdings zugeben, dass dieses Blau dem M3 perfekt steht und ihn zum absoluten Headturner macht. Vor allem andere BMW-Fahrer schmeißen sich beim Anblick dieses Boliden regelrecht weg. Denn sie sind in der Regel darüber informiert, was sich da unter der Blech- beziehungsweise Carbonhaut abspielt. Denn die Technik im BMW M3 ist hochkarätig, wie nie zuvor.

Das beginnt beim famosen 3-Liter Reihensechszylinder. Der 431 PS starke BiTurbo-Motor stellt den dicken Achtzylinder im Vorgänger in jeder Hinsicht in den Schatten. Er ist deutlich leichter, bietet Drehmoment satt ab Leerlauf (550 Nm ab 1850 U/min) und gleichzeitig eine Drehfreude, die jedem Sauger gut zu Gesicht stehen würde. Gekoppelt ist der Motor an ein – bei Bedarf – blitzschnell schaltendes Doppelkupplungsgetriebe (DKG). Die Kraft geht wie üblich direkt an die fetten Hinterräder. Für Verzögerung sorgt auf Wunsch eine monströse Keramik-Bremsanlage, die zwar den Gegenwert eines Dacias verschlingt, den M3 aber derartig vehement abbremst, dass das Wort „Ankern“ eine neue Dimension erfährt. Die riesigen Scheiben passen gerade noch hinter die extra leicht geschmiedeten 19-Zoll-Alufelgen – goldene Bremssättel mit M-Logo zeugen von der Investition des Fahrers.

Vor allem andere BMW-Fahrer schmeißen sich beim Anblick dieses kreischend blauen Boliden regelrecht weg.

Wie üblich darf man sich seinen BMW M3 umfangreich selbst zusammen konfigurieren. Mittels zweier Tasten (M1 und M2) am Lenkrad lassen sich die Einstellungen jederzeit bequem abrufen. Die meisten werden wohl die extreme charakterliche Spreizung des M3 für ihre Konfiguration nutzen. Wir haben die Taste M1 auf Komfort getrimmt. Sprich Motor auf effizient, Lenkung und Federung auf Komfort, Automatik auf Stufe 1 und DSC ein. Damit fährt man im richtigen Leben zu 80 Prozent durch die Gegend – die richtige Einstellung für lange Autobahn-Trips ohne Stress, um die Kinder in die Schule zu bringen und außerdem werden die Nachbarn beim morgendlichen Kaltstart nicht jedes Mal aus den Federn gerissen.

Im Fahrfreude-Testzeitraum ist klarerweise die Taste M2 im Dauereinsatz. Das gefällt auch den PS-begeisterten Kindern auf den Rücksitzen eindeutig besser: SPORT PLUS Einstellung für Motor, Lenkung und Fahrwerk bietet extrem sensibles, absolut unverzögertes Ansprechverhalten im Hochgeschwindigkeitsbereich. Die Stufe 3 beim DKG sorgt für wunderbar krachende, blitzschnelle Gangwechsel und betörenden Sound, vor allem beim automatisierten Zwischengas röhrt und brodelt es aus den Auspuffrohren. Am besten wechselt man die Gänge jetzt mit den Schaltpaddles am Lenkrad. DSC ließen wir angesichts herbstlich-tiefer Temperaturen, Straßennässe und sehr gut angefahrener Sportreifen lieber angeknipst. So geschärft gibt’s nur mehr wenige Konkurrenten am Markt. Der BMW M3 spielt bei den Hochleistungs-Limousinen ganz vorne mit. Während die Mitbewerber mit deutlich mehr Leistung in erster Linie dem Geradeausfahren frönen, darf man den M3 auch zum beherzten Kurvenvernaschen hernehmen.

Fazit
Mit dem M3 stellt BMW einen der talentiertesten Sportwagen der Neuzeit auf die Räder. Faszinierend ist vor allem die Spreizung zwischen lammfrommem Alltags-Automobil und bösartigem Sportgerät. In beiden Bereichen tritt er dem Porsche 911 auf Augenhöhe gegenüber. Zwei Türen mehr, eine brauchbare Rücksitzbank und der große Kofferraum machen ihn aber zum derzeit wohl perfektesten Familienauto für den sportiven (und betuchten) Papa.


Pro
+ Familie oder Rennstrecke – wie es beliebt
+ Bremsen im Familienpizza-Format
+ dieses knallige Yas Marina Blau

Contra
– die Contra-Punkte kennt mein Bankberater


Fakten BMW M3 DKG
Motor: M TwinPower Turbo Reihen-6-Zylinder Benzinmotor
Hubraum: 2979 ccm
Leistung: 431 PS
Drehmoment: 550 Nm/1850-5500
Vmax: 250 km/h
0 – 100 km/h: 4,1 Sekunden
Testverbrauch: 14,5 Liter / 100 km
Preis: ab EUR 89.317,11

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