Lieber Autodrom als autonom

Was haben wir im Autodrom gelernt? Cool sein, lässige Manöver riskieren, auch mal einen Fehler eingestehen. Dann kamen die Mädels ganz von selber.

Heute, als ausgewachsener männlicher Homo Sapiens in Vollbrunft, musst du dir andere Wege suchen ein potentielles Weibchen anzulocken. Denn die Autohersteller nehmen uns Schritt für Schritt quasi das Lenkrad aus der Hand. „Autonomes Fahren“ schreit es einem aus de facto jeder Pressemappe ins Gesicht, und man kommt nicht umhin zu fragen, wer das denn eigentlich bestellt hat.

Wir jedenfalls nicht. Bleiben die Hersteller selber, ihre Zulieferer, ihre frisch eingestellten Nerds. Klar, dass ist eine Schubladisierung und eine Verleumndung der unfreundlicheren Sorte. Vielmehr treiben Giganten wie Google, Apple & Co mehr oder weniger die ganze Welt vor sich her. Überall wollen sie hinein, überall wollen sie dabei sein. Alles was noch kein App hat, ist spätestens morgen von gestern.

Das fing beim Auto eigentlich schon mit der Klimaanlage an. Gut, die Vorteile eines klimatisierten Fahrzeuginnenraumes wird keiner ernsthaft in Frage stellen. Doch die jahrelang bewährte Kontaktaufnahme mittels lässig raushängendem Ellbogen wurde über Nacht zu einem Armutszeugnis. Selbiges galt für das Teilhabenlassen des ganzen Dorfes am eigenen Musikgeschmack. Wer rappt schon gern vor einem verschlossenen Fenster? Wer will schon einen tollwütigen Bass im eigenen Auto einsperren? Nicht zu vergessen der unglaubliche Sicherheitsgewinn, an der Akustik den von weitem heranfliegenden Kevin im tierfergelegten Irgendwas zu erkennen.

Doch gegen die Ansammlung moderner Assistenzsysteme sind das nur Kleinigkeiten. Schauen wir uns als Bespiel den neuen VW Touareg an, der wohl mehr Schaltkreisen eine Heimat ist als China den Chinesen. So kann der Touareg unter Zusammenarbeit von Navi, Verkehrszeichenerkennung und adaptivem Tempomaten die erlaubte Geschwindigkeit einhalten. Egal wo. Fünfzig Sachen in der Stadt, achtzig auf der Stadtautobahn, usw. Die einzigen, die freiwillig so fahren sind Fahrschüler, Omas und simsende Jugendliche. Echt jetzt?

Auch kann der Touareg Kreisverkehre autonom knapp über Schrittgeschwindigkeit durchfahren. Ausgerechnet Kreisverkehre, deren Ausfahrten die letzten Oasen der Querdynamik darstellen. Wo wenn nicht hier kann Mann sein fahrdynamisches Talent unter Beweis stellen? Kann er sein Gespür für den Scheitelpunkt zeigen? Sich einhändig im leichten Drift gen Horizont werfen?

Foto: Land Rover

Komplettiert wird das Ganze noch von LED-Matrixscheinwerfern, die quasi für jede Situation, jede Landschaftsform und jede Stimmung das richtige Licht haben. Keine Kommunkation mehr mittels aufblendendem Fernlicht, keine zuverlässigen Lichtsignale hinsichtlich Radarmessungen mehr. Der Gegenverkehr wird ausgeblendet, um den Vorherfahrenden wird herumgeblendet und im Wald wird jedes Wildtier quasi in den Wald zurückgeblendet. Ein direkter Eingriff in die Natur.

Vor allem aber, und da schließt sich der Kreis, spektakuläre Ausweichmanöver vor suizidalen Feldhasen gehören der Vergangenheit an. Oder die romantische Suche heimeliger Schmuseplätze. Sie mutiert zu einem Pfeifkonzert aus Spurhaltewarner, Parkpiepser, Querverkehrswarner und Notbremssystem. Nein, so haben wir uns das nicht vorgestellt. Wie gut, dass in jedem Mann ein Kind steckt. Fehlt nur noch das passende Volksfest.

Foto: Skoda
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