Das laissez-faire SUV

Entspanntes Auto fahren, am Zahn der Zeit, eingebettet in einem lockeren Ambiente, umgeben von hochseriöser Technik. So haben wir den Citroen C3 Aircross erlebt.

31 Fachjournalisten dürften das ähnlich gesehen haben, verdankt der C3 Aircross ihnen doch die Auszeichnung „Best buy car of Europe 2018“ im Rahmen des renommierten Autobest-Awards. Das war bis vor kurzem noch undenkbar, etwas peinlich berührt blicken wir kurz zurück auf den Vorgänger, ein Derivat des Mitsubishi ASX. Eh kein schlechtes Auto nicht, aber für francophile Menschen quasi eine Beleidigung und von einer Preisverleihung so weit weg wie Citroens neue Formsprache vom Mainstream.

Und da sind wir auch schon beim springenden Punkt – Citroen hat beim Design und der Interpretation von Freude am Fahren wieder ganz zu sich gefunden. Der C3 Aircross ist dafür das beste und auch neueste Beispiel. Sein expressionistischer Ansatz verschafft ihm Sympathiewerte, von denen andere SUVs nur träumen können. Wobei besonders die Front ansich weniger freundlich als muskulös wirkt. Aber nicht aufgepumpt muskulös, eher sehnig-athletisch. Große Konturen, Kotflügelverbreiterungen und ein schwarzer Unterbodenschutz weisen ihn zusätzlich klar als Kompakt-SUV aus.

Als solches verfügt der C3 über sehr gute Platzverhältnisse, bis hin zum großen und variablen Kofferraum. Das ist alles schön und gut, eine wirkliche Hetz ist aber das Interieur. Hier erwartet den geneigten Passagier eine wohnzimmerartige Atmosphäre, Sitze mit ausgeprägtem Couchcharakter und eine Vielzahl von Ablagen für Schlapfen, Kaffeehäferl und die Zeitung. Für die persönliche Note offeriert Citroen fünf Gestaltungsmöglichkeiten für das Interieur, das Braun unseres Testwagens wäre nicht unsere erste Wahl. Aber auch nicht die Letzte.

So lässig-locker das Naturell des Citroen dabei auch sein mag, er kann auch bierernst sein. Nicht dass hier einer auf die Idee kommt, der Franzose nimmt alles auf die leichte Schulter. So offeriert er zwar wie in seinem Segment üblich keinen Allrad, aber mit der optionalen Grip Control eine kompetente Anfahrhilfe samt Bergabfahrassistent. Gelegentlich scharrende Vorderräder sind aber nicht zu verhindern, was auch am 120 PS starken Diesel und seinen 300 Newtonmetern liegen mag.

Angesichts der aktuellen Diskussionen vielleicht nicht die politisch korrekte Motorisierung, dem Antrieb selber ist aber nichts vorzuwerfen. Er hält den Aircross souverän auf Zug, höhere Touren mag er nicht so ganz, der 6-Gang-Handschalter verschafft hier passende Abhilfe. Der Verbrauch ist gering, die Lust auf sportliche Auszucker ebenso. Gut so, denn der Komfort setzt nicht weniger als die Benchmark in dem Segment.

Auf hohem Niveau bewegt sich der C3 auch in Sachen Technik. Er bietet quasi alle gängigen Assistenzsysteme, ein Head-up Display, ein Navi samt Rückfahrkamera oder auch eine induktive Ladeschale. Diverse Extras lassen sich über fair geschnürte Pakete ordern, auf jeden Fall lohnt ein Blick in die Farbkarten. Acht Karosserievarianten wollen mit drei möglichen Dachfarben kombiniert, getauscht und neu durchgemischt werden. Egal was es am Ende wird, langweilig sieht anders auch. Als SHINE Blue Hdi ab EUR 23.090,00 käuflich zu erwerben.


Was er kann:
Sich in einem heiß umkämpften Segment Respekt verschaffen.

Was er nicht kann:
Sportlichkeit stand nicht im Lastenheft.

Ändern würden wir:
Sitzheizung serienmäßig anbieten.

Extralob gibt es:
Für die verschiebbare Rückbank.


Daten Citroen C3 Aircross SHINE Blue Hdi120
Motor: 4-Zylinder Turbodiesel
Leistung: 120 PS
Max. Drehmoment: 300 Nm bei 1750 U/min
Testverbrauch: 5,9 Liter
Vmax: 183 km/h
0 auf 100 km/h: 9,8 Sek
Preis ab EUR 23.090,00

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