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Orange is the new black

  • 19. Januar 2017
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In den lichten Höhen der Luxusautomobile muss eine sportive Lücke geklafft haben. Anders ließe sich der Bentley Continental GT Coupe V8 S nicht erklären. Ich als Otto-Normalverbraucher habe von derartigen Mangelerscheinungen nichts mitbekommen. 

Mitleid für die Reichen und Schönen will sich auch nicht so recht einstellen. Egal, jetzt haben die Schleichfahrten mit dem 507 PS schwachen V8 ja eh ein Ende. Mein Sarkasmus steht meiner Objektivität im Wege, vielleicht überspiele ich auf diese Art auch nur meinen Respekt. EUR 305.719,60 stehen immerhin vor mir, was persönlichen und redaktionsinternen Rekord 2016/17 bedeutet.

Hier gehen die Uhren anders, und das nicht nur weil in der Mittelkonsole eine Breitling tickt.

Klar stellt sich die Frage, ob ein Auto jemals soviel Gegenwert bieten kann. Bentley und seine Kunden stellen aber solche Fragen nicht. Hier gehen die Uhren anders, und das nicht nur weil in der Mittelkonsole eine Breitling tickt. Das versteppte Leder zum Beispiel, gefühlt meterdick und von feinster Verarbeitung. Oder eingestickte Bentley-Logos auf den Kopfstützen, mattes Alu und fühlbar hochwertigster Klavierlack. Das alles spielt einige Level über allem was gemeinhin als Premium empfunden wird. Wen kümmert da noch das leicht angestaubte Infotainment oder ein dürftiges Assistentenaufkommen.

Tunneldurchfahrten versetzen mich schlagartig in die Pubertät. Nur ohne Akne.

V8 S also. Neben den bereits erwähnten 21 Mehr-PS wurde der S 10 Millimeter tiefer gelegt. Was ein garantierter Brüller auf jeder Cocktail-Party ist. Auch wurde die Lenkung direkter eingestellt, zusätzlich wurde alles mögliche versteift, Stabilisatoren, Motorlager und weißgottnochwas. Spätestens wenn der Motor startet, ist mir das alles ziemlich egal. Der V8 S brabbelt, blubbert und bollert so wunderschön, dass selbst Engel ihre Harfe beiseite legen um zu lauschen. Kann gar nicht anders sein. Bei Vollgas steigert sich das Ganze ins orgiastische, Tunneldurchfahrten versetzen mich schlagartig in die Pubertät. Nur ohne Akne. Was kann ich über die Fahrleistungen berichten? 528 PS und 680 Newtonmeter beschleunigen den Bentley in 4,5 Sekunden auf 100 km/h, auch darf er eintreten in den erlauchten Klub der 300er. Ähnlich imposant wie das nackte Zahlenmaterial sind dann auch die Erlebnisse. Vollgas presst mich tief in die dicken Ledersitze, wo ich dann auch verweile, weil die unglaublich fein arbeitende 8-Gang-Automatik keine Unterbrechung des hammerartigen Schubes zuläßt. Ähnlich beeindruckend verläuft die Geschichte beim Bremsen, alles, ich muss es noch einmal erwähnen, untermalt von einem himmlischen Sound.

Gerne würde ich an dieser Stelle über wahnsinnige Kurvengeschwindigkeiten und Freudenschreie bei Bergetappen berichten. Witterungsbedingt war das dynamische Potential des V8 S aber nur ansatzweise erkennbar. Was ich sagen kann ist, dass seine 2.364 Kilogramm Lebendgewicht nicht wirklich spürbar sind. Kurze Zwischensprints in aufgetrockneten Kurven gestalteten sich auch dank Allradantrieb so freudvoll wie sicher. Eine Zuspitzung via auf „Sport“ justierte Dämpfung und Schaltpaddles ist möglich. Ausprobiert habe ich es nicht, aus Respekt vor den Urgewalten. Und den 300 Kilos am Preiszettel.


Was er kann:
Köpfe verdrehen. 

Was er nicht kann:
Irgendwas Autonomes. 

Extralob gibt es:
Für alles was bei Vollgas passiert. 

Ändern würden wir:
Die Aufpreise. EUR 3.237,– für ein Abstandsradar? 


Daten Bentley Continental GT Coupé V8 S 

Motor: 8-Zylinder Benzin-BiTurbomotor
Hubraum: 3.998 ccm
Leistung: 528 PS
Max. Drehmoment: 680 Nm
Testverbrauch: 14,3 Liter
Vmax: 310 km/h
0 auf 100 km/h: 4,5 Sek.

Dass der Bentley Continental auch richtig arg sein kann, beweist die schärfste Ausbaustufe „Supersports“. Diese ist schlicht das schnellste viersitzige Coupé der Welt. Mehr im Video:

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