Ein neuer Elfer ist immer ein elementares Ereignis. Die neueste Generation stellt wieder mal einen Quantensprung bei der Weiterentwicklung des Paradesportlers dar. Ähnlich tiefgreifend waren die Änderungen, als Porsche damals den heiligen Luftgekühlten aus dem Programm kippte und stattdessen auf Wasserkühlung umschwenkte. Damals ging ein Aufschrei durch die Gemeinde. Spätestens nach der Generation 997 haben aber auch die Gusseisernen kapiert, dass es auch wassergekühlt ordentlich vorwärts geht. Bei der Baureihe 991 gibt´s ähnlich einschneidende Änderungen, die wichtigsten seien hier aufgezählt:

Stretch-Porsche.
Augenfälligste Änderung ist der deutlich gewachsene Radstand. Das Auto wirkt dank geringerer Höhe, breiterer Spur und dennoch nahezu identer Länge spürbar sportlicher als der Vorgänger. Die flachere Windschutzscheibe, die eingezogene C-Säule (hallo Aston!) und der feiste Popsch mit den wunderschönen neuen Heckleuchten sprechen eine deutlich modernere Designsprache. Auch sorgen jetzt bis zu 20 Zoll große Räder für optische wie auch physikalische Bodenhaftung.

Fahrdynamisch legt der neue Carrera zum Vorgänger noch was drauf.
Im normalen Straßenverkehr ist es nur mehr im komplett gesetzesfreien Raum möglich, den neuen 911er ein bissl zu fordern. Wer Grenzen erleben will, sollte sich eine Rennstrecke suchen und vorher noch bei Walter Röhrl zur Lehre gehen.

Gelenkt wird jetzt elektro-mechanisch.
Das hört sich jetzt vielleicht ein wenig billig an. Fakt ist jedoch, dass auch diese Änderung zu einer Verbesserung geführt hat. Die ohnehin schon perfekte Porschelenkung reagiert jetzt noch einen Deut präziser. Kenner des Vorgängers werden dies sicher bestätigen. Es ist einfach ein Genuss den neuen Neunelfer durch kurviges Geläuf zu scheuchen.

Sieben Gänge automatisch oder händisch – wie es beliebt.
Wie bei Ferrari geht auch bei Porsche der Anteil der manuell geschalteten Modelle immer mehr zurück. Hat man das PDK-Getriebe einmal ausprobiert, weiß man warum. Die Gänge kommen immer zum richtigen Zeitpunkt und werden je nach Lust und Laune streichelweich eingelegt oder hammerhart reingedroschen.

400 PS sollten es schon sein.
Der fette 3,8-Liter Sechszylinder-Boxer in der S-Version wurde ebenso feingetuned. Er liefert mit seinen 400 PS und einem Drehmoment von 440 Newtonmetern bei 5.600 Umdrehungen Kraft in jeder Lebenslage. Unten rum sämiges Anströmen ohne Hektik oder himmelhoch jauchzendes Drehen ohne Ende – alles kein Problem und jederzeit möglich. Das Zusammenspiel aus Fahrwerk, Bremsen, Getriebe und Motor darf man getrost als automobiles Gesamtkunstwerk bezeichnen.

Tunnel of love.
Sound-Engineering – DER Trend im Automobilbau macht auch vor dem Neunelfer nicht halt. Nur während woanders der Sound meist auch künstlich klingt, ist den Porsche-Ingenieuren der Kunstgriff gelungen, ein völlig – nennen wir es beim Namen – geiles Klangbild zu basteln. Hat man in den Sportauspuff investiert, bekommt man bei Bedarf die volle Dröhnung auf die Ohren. Der 911 S röhrt, ballert und sprotzt, dass es eine Freude ist. Das hört übrigens nicht nur der Fahrer, sondern auch die (meist) entzückte Umwelt. Vor allem bei Tunneldurchfahrten lohnt es sich das Fenster zu öffnen, auf SPORT Plus zu schalten und sich an den herzhaften Zwischengasstößen zu ergötzen.

Die vielgepriesene Alltagstauglichkeit gibt’s obendrein noch geschenkt.
Deaktiviert man alle verschärfenden Fahrdynamik-Regelungen fährt sich der Elfer fast wie ein Golf. Leise, komfortabel und auch überraschend sparsam. Durchschnittsverbräuche von rund neun Litern sind ohne Probleme machbar.

Porschefahren war schon immer purer Luxus.
Stimmt. War es schon immer. Vor allem wenn man sich den Kaufpreis (los geht´s ab EUR 122.860,-) und die Erhaltungskosten anschaut. Nur bislang waren Porsches meistens relativ puristische Geräte, die lediglich einen gewissen Grundluxus beinhalteten. Das hat sich geändert: Wer möchte, kann sich seinen Carrera mit allen erdenklichen Gadgets aufpimpen lassen. Das beginnt beim belüfteten Sitz, allerlei nötigen und unnötigen Assistenzsystemen und hört bei der großartigen Burmester-HiFi-Anlage auf. Alleine die Tatsache, dass sich nach Abstellen des Motors das Lenkrad zurückzieht und auch der Sitz elektrisch nach hinten fährt, lässt auf das aktuelle 911-Klientel schließen: Reiche Menschen ab Sechzig.

Fazit.
Porsche liefert mit dem 911 Carrera S wieder einmal den besten Neunelfer aller Zeiten ab. Dieses Fahrzeug hebt sich und seinen Fahrer in andere Sphären, sei es bei der Fahrdynamik, der Ausstrahlung oder bei den Kosten. Leider hat sich der 911er mittlerweile komplett ins Überirdische verabschiedet. Das weiß Porsche gottseidank auch und versorgt die nachwachsende Kundschaft mit günstigeren und nicht minder heißen Geräten á la Boxster oder Cayman. Vielen Dank dafür!


Facts Porsche 911 Carrera S Coupé PDK
Motor: 6-Zylinder Boxer
Hubraum: 3.800 ccm
Leistung: 400 PS
Drehmoment: 440 Nm / 5.600 Umin
0-100 km/h: 4,1 Sekunden
Vmax: 302 km/h
Testverbrauch: 9,8 Liter Super durchschnittlich
Basispreis: EUR 122.860,-

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