Goldstück

DS Automobiles stürmt das Premiumsegment – ob´s auch gelingt haben wir uns näher angesehen.

Der Premiumbereich ist sowas wie der heilige Gral im Automobilbereich. Da gibt es eine Hand voll Gralsritter – wir kennen sie alle – die sind bereits felsenfest etabliert und genau diese geben auch die Hürden vor, die für glaubhafte Premiumanmutung stehen. Dazu gehört neben einer tadellosen Verarbeitung, schönem Design und hochwertigster Technik auch – quasi als wichtigste Hürde – ein herausragender Charakter und wenn möglich auch eine kräftige Prise Markenimage dazu. Immer wieder versuchen diverse mehr oder weniger talentierte Hersteller in diesen elitären Kreis vorzudringen – und fast ebenso viele scheitern dann dabei kläglich.

Scheitern ist keine Option – DS hat sich viel vorgenommen.

Einer der bislang letzten Vorstösse ins Premiumsegment kam von DS Automobiles. Waren die bisherigen DS Fahrzeuge noch luxuriös aufgehübschte Serien-Citroens, so ist die neueste Kreation – der DS 7 Crossback –  ein völlig eigenständiges SUV mit eben – Premiumanspruch.

Wir  haben uns einen DS 7 Crossback für einen ausführlichen Test ausgeborgt und sind der Sache auf den Grund gegangen.

Übergabetag. Regen. Nebel. Alles Grau in Grau. Ich warte an der Ecke auf den Übersteller. Dann geht plötzlich die Sonne auf: Der Testwagen biegt um die Ecke. Byzantin-Gold nennt DS die Lackierung, die die farblose Linzer Innenstadt auf der Stelle erhellt. „Muss man sich trauen“, oder besser: „Diese Welt braucht mehr Autos in Byzantin-Gold!“, geht mir spontan durch den Kopf. Der DS 7 Crossback rollt leise an mir vorbei und hält dann an. Diese Rücklichter! Dass der Blinker – wie auch bei Audi – nach außen fließt ist nur ein kleines Detail der aufregenden 3D-Grafik. Das Lichtdesign am DS 7 Crossback wurde wirklich spektakulär in Szene gesetzt. Auch vorne beeindrucken LED-Elemente – hier im Stil des Bugatti Chiron. Diese drehen sich beim Entsperren lilaglühend um die eigene Achse. Das Beleuchtungskonzept passt perfekt zur effektheischenden Lackierung des Testwagens und hebt sich aber trotzdem geschickt vom – doch eher zurückgenommenen – Karosseriedesign ab. Das hat DS wirklich gut miteinander abgeschmeckt.

Im SUV-Bereich eine völlig neue Designlinie zu finden ist schwierig.

Auch DS hat beim DS 7 Crossback nichts Neues erfunden. Es wurde vielmehr Bekanntes aufgegriffen und dezent aber wirkungsvoll weiter verfeinert. Die Front wird von einem massiven Kühlergrill inklusive prägnantem DS-Logo geprägt – dieser ist ganz markentypisch von einer verchromten Spange eingerahmt. Die Flanken zeigen genau soviel optische Spannung, damit das Auto weder mopsig noch übertrieben muskulös wirkt. Der DS 7 versteht sich einfach als beeindruckend dezentes aber dennoch stylisch-modernes SUV. Am ehesten  lässt er sich optisch noch mit den Audi SUVs vergleichen. Größenmäßig liegt er genau zwischen Q3 und Q5. Den BMW X1 überragt er um ein paar Zentimeter.

Beeindruckend geht es auch beim Interieur weiter. Zuerst einmal weht einem ECHTER Ledergeruch um die Nase. Die feinen Sitze der feinen Opera-Linie – ihres Zeichens die Bestausstattung – und große Teile des Armaturenbrettes sind mit handschuhweichem Nappaleder bezogen. Findet man doch mal Kunststoffteile, sind diese immer von bester haptischer Qualität. DS hat sich dem Rauten-Thema verschrieben, man findet kaum runde Elemente im Cockpit – vom griffigen Lenkrad einmal abgesehen. Schalter, Anzeigen und Designelemente folgen alle diesem Thema. Auch die Bespielung der beiden großen Screens – hinterm Lenkrad und einem großen Touchscreen auf der Mittelkonsole erfolgt in diesem Design. Fein ables- und tadellos bedienbar bleibt der DS 7 aber dennoch – folgt er doch den guten Vorgaben der Genspender Peugeot 3008 bzw. 5008.

Auch bei den Fahrassistenz-Systemen darf man bei DS ins Volle greifen. Da gibt es neben der im Premiumsegment schon weitverbreiteten Teilautonomie auch einen waschechten Nachtsichtassistenten, der Fußgänger und Tiere im Display einblendet und akustisch warnt. Dies hört sich nach einer Spielerei an, ist aber voll funktionstüchtig und auch zuverlässig. Das Einzige, was wir uns noch wünschen würden, wäre ein Head-Up Display.

Ich starte mittels Knopfdruck und bewundere die sich öffnende Borduhr des französischen Nobelherstellers B.R.M. Der Bildschirm hinterm Lenkrad lässt sich – wie auch beim 3008 – vielfach konfigurieren. Wer möchte, legt sich die Navikarte flankiert vom Tempo auf den Screen. Aber auch eine extrem zurückgenommene augenschonende Anzeige ist möglich – das hat uns beim seeligen Saab (Stichwort: Night-Panel) schon sehr gefallen.

Einen DS-Fan hätten wir schon gefunden.

Dass der Motor – in unserem Fall ein 180 PS starker, dank Euro 6d-TEMP Norm supersauberer Turbodiesel – schon läuft, fällt eigentlich gar nicht auf, so gut ist die Dämmung im DS 7. Auf Geräuschminimierung hat DS wirklich Wert gelegt – sogar die Ablagefächer der Türen sind mit Teppich ausgekleidet – da scheppert nichts ungut herum. Wem das alles zu leise ist, der dreht einfach die FOCAL-Audioanlage mittels Drehwalze lauter und bläst sich damit die Ohren durch.

Daniel gefällt die automatisch ausfahrende Borduhr im DS 7 Crossback.

Den gekrümmten Automatik-Shifter kenne ich schon aus dem 3008er Peugeot. Er bedient ein famoses Achtgang-Wandlergetriebe. Der DS 7 legt sanft aber nachdrücklich los – auch jetzt gibts noch kaum Motorgeräusche. Die Gangwechsel erfolgen ebenso feinfühlig. Man fühlt sich perfekt ins Auto eingebettet – das liegt nicht nur an den tollen Sitzen, sondern auch am flauschigen Abrollen, welches nicht einmal die verbauten 20-Zöller verhageln. DS Sensorial Drive nennt DS das vorausschauende Fahrwerkssystem, welches die vorausliegende Straße abscannt und die Federung dann punktgenau darauf vorbereitet. Vor allem lange Wellen nimmt das System mit einer fast schon schwebenden Anmutung. Dass sich der Motor schon einige Meter vor der Ampel in den Start-Stop Modus verabschiedet merke ich erst, als er beim Wegfahren ohne Ruckeln wieder anspringt.

Insgesamt ist der DS 7 Crossback ein sehr komfortabel ausgelegtes SUV. Man könnte zwar im Fahrmodus SPORT auswählen, dann spitzt sich die Motorcharakteristik zu, die Federung wird einen Hauch krisper und auch die Lenkung funktioniert nicht mehr ganz so soft. Nur, irgendwie probiert man das wahrscheinlich nur einmal aus und lässt es dann bleiben – die Stellung COMFORT ist einfach zu perfekt ausgewogen und passt herrlich zum feinen Charakter des DS 7.

Stichwort Charakter. Genau jetzt ist es Zeit unsere Wertung abzugeben. Und die lautet: Ja, der DS 7 Crossback gehört eindeutig ins Premiumsegment. Er ist technisch top, fein verarbeitet, sieht einfach toll aus und das Wichtigste: Er hat eben Charakter und lässt sich nicht so einfach mit den üblichen Verdächtigen vergleichen. Die SUVs von Audi, BMW & Co sind im direkten Vergleich entweder zu sportlich, zu groß, zu klein oder auch teilweise einfach zu langweilig.

Jetzt braucht es nur mehr genügend Leute, die sich auch einen DS 7 Crossback kaufen und damit das Straßenbild bereichern. Zu haben ist das SUV ab interessanten EUR 36.190,- .


Daten Fakten
DS 7 Crossback BlueHDI 180 EAT8 SO CHIC
Motor: 4-Zylinder Turbodiesel
Leistung: 180 PS
Testverbrauch: 6,8 Liter Diesel / 100 km
Preis: ab EUR 42.690,-

 

 

 

 

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