Jedem schmeckt es, jeder kennt es, es ist vielschichtig verwendbar und es verkauft sich von selber. Wie der VW Tiguan. 

Nur ganz so günstig ist er nicht. Schlappe EUR 50.085,00 stehen da relativ ungeniert am Fuße des Datenblattes. Und auch wenn selbiges mit Paketen, Extras und Features vollgeschrieben ist, wird einem schon ein wenig schwindlig. Versetze ich mich in die Lage eines L17-Jünglings, würde ich mich fragen was die Abkürzung „VW“ eigentlich bedeutet. Vielverdienerwagen? Der leicht graumelierte Vater am Beifahrersitz wird „Volkswagen“ erwidern, eine längst vergangene Geschichte von einem Käfer und einem 1er-Golf erzählen und so den Buchstabensalat auflösen.

Manche mögen sich vielleicht beim Rot unseres Testwagens ein paar Dioptrien mehr wünschen, aber das ist bekanntlich Geschmackssache.

Für den Motorjournalisten selber ist der Preis eine tolle Sache, weil er da zumindest ein wenig stänkern kann. Sonst? Manche mögen sich vielleicht beim Rot unseres Testwagens ein paar Dioptrien mehr wünschen, aber das ist bekanntlich Geschmackssache. Tatsächlich ist der neue VW Tiguan ein makelloses, daraus resultierend auch ein wenig charakterloses, in der Summe seiner Eigenschaften aber jedenfalls ein fehlerloses Auto. Selbst wer SUVs aus Prinzip verweigert, wird im Tiguan seine Bekehrung erfahren. Auch ist das mit der Charakterlosigkeit zu verifizieren. Natürlich ist der Nachfolger eines VW Erfolgsmodells kein visueller Auszucker. Aber hinschauen tun trotzdem viele. Die schiere Größe und die schicke Grafik der grandiosen Voll-LED-Scheinwerfer zeichnen hierfür hauptverantwortlich.

Die Karosserie? SUV halt.

Aufregender wird es da schon im Interieur. „Ganz großes Kino“ ist hier wörtlich zu nehmen, weil großer Touchscreen und virtuelles Cockpit schon sehr viel von einem Lichtspieltheater haben. Die Verarbeitung ist irgendwo auf dem Weg zum Premium, vielleicht auch schon dort, die Grenzen verschwimmen hier zusehends. Neu für das VW-Stammklientel wird sein, dass bei der Bedienung eine gefühlte Ewigkeit bis zum sicheren Handling vergeht. In echt eh nur fünf Minuten, aber wer es nicht gewöhnt ist. Im Wesentlichen gerät das Lenkrad als Bedienungstool an seine Grenzen, weil ansonsten geht alles gewohnt flockig von der Hand. Selbst das spielsuchtfördernde virtuelle Cockpit mit seinen zig-fachen Darstellungsmöglichkeiten von Navi, Tacho und Drehzahlmesser wird niemanden überfordern. Höchstens begeistern. Genau so wie generösen Platzverhältnisse, der große und sehr variable Kofferraum und die vielen Ablagen. Wie gesagt, Kritik ist des Tiguans Sache nicht.

Antrieb und Fahreigenschaften werden da wohl auch nicht viel hergeben. Relativ emotionslos lassen wir den 2,0 Liter TDI seine 150 PS über ein gut nutzbares Drehmomentband seine Arbeit verrichten. Er tut dies leise, sparsam und kraftvoll in allen Lebenslagen. Das 7-Gang-DSG portioniert die Kraft perfekt, nicht einmal eine kleine Anfahrtsschwäche ist uns vergönnt. In Kombination mit dem Allradantrieb ergibt das ein Paket, welches für jede Situation im Straßenverkehr bestens gerüstet ist. Selbst Offroad-Programme sind Bestandteil unseres Test-Tiguans, womit er endgültig die ganze Bandbreite eines Vollblut-SUV abdeckt. Das Ganze hat wie gesagt eben seinen Preis, was insofern spannend ist, als dass ein baugleicher Seat Ateca spürbar günstiger ist und der Skoda Kodiaq unmittelbar vor der Tür steht. Wie wohl man VW auch nicht Unrecht tun darf, denn eine derartige Vollausstattung wie in unserem Probanden wird sich wohl nicht jeder gönnen. Und wenn doch hat man wenigstens die Gewißheit stolzer Besitzer der berühmten eierlegenden Wollmilchsau zu sein.


Was er kann:
Fast alles. 

Was er nicht kann:
Mehr als 7 Liter auf 100 Kilometer konsumieren. 

Extralob gibt es:
Für die verschiebbare Rückbank. 

Ändern würden wir:
Die Preisspirale. 


Daten VW Tiguan 2,0 TDI DSG 4Motion
Motor: 4-Zylinder Diesel-Turbomotor
Hubraum: 1.984 ccm
Leistung: 150 PS
Max. Drehmoment: 340 Nm bei 1750 U/min
Testverbrauch: 6,3 Liter
Vmax: 201 km/h
0 auf 100 km/h: 9,3 Sek.
Preis ab EUR 44.300,00