Pick-up´s gelten noch immer als automobile Rüpel mit mehr Sinn fürs Laden als fürs Autofahren an sich. Der neue VW Amarok bricht mit dem Klischee.

Stellen Sie sich vor, Sie stehen mit ihrem neuen Kombi an der Ampel, nehmen wir mal an, als Beispiel, in einem BMW 318er Touring. Sie genießen die von der Seite hereinblinzelnde Sonne, beobachten Vögel bei ihrem eifrigen Tun. Und dann, ganz plötzlich, stellt sich ein Amarok neben sie. Nimmt ihnen die Sonne, verstellt ihnen die Sicht und beschädigt ihr Karma. Sind ja SUV´s schon ein Graus – und jetzt so ein Ungetüm. Es wird Zeit für eine Lektion.

Die Ampel springt auf Grün, Vollgas. Und weg ist der……Amarok. Life sucks.

Zumindest aus Sicht des Kombi-Fahrers. Der Lenker des Amarok hat seine Freude am sekkieren des bodennahen Volkes. Möglich macht das vor allem der Top-Diesel, seines Zeichens V6, 224 Pferde stark, gesegnet mit einer 8-Gang-Automatik, welche jedes der 550 Newtonmeter Drehmoment perfekt einsetzt und verwaltet. Derart aufgeplustert sprintet das Vieh von 0 auf 100 km/h in 8 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 191 km/h. Eh klar, ist das weder ökologisch noch ökonomisch, manch Pick-up Interessent wird sich vielleicht auch fragen für was derartige Fahrleistungen gut sein sollen. Naja, weil es Spaß macht.

Und sooo viele Spaßmacher hat VW ja nicht im Programm. Wir zählen ab heute jedenfalls den Amarok dazu, so komisch das auch klingen mag. Zusätzlich hat sich VW aber auch der seriösen Seite seines vermeintlichen Arbeiters im Portfolio angenommen. Unser Top-Modell „Aventura“ verwöhnte mit elektrisch verstellbaren Nappaledersitzen, dem Discover Media-Infotainmentsystem, Winterpaket, Tempomat, 2-Zonen-Klimaautomatik, elektrischen Fensterhebern, Rückfahrkamera, 20“-Alus und so weiter und so fort. Und nachdem Top-Diesel und Automatik auch im Schongang hervorragend harmonieren, liegt der Wohlfühlfaktor im Amarok mindestens so hoch wie sein Zustieg.

Hat man diesen erst einmal erklommen dauert es keine Minute, bis man sich im Interieur zurecht findet. Wir behaupten, die bei VW könnten auch ein Raumschiff so einrichten, dass jeder Depp damit aus dem Stand gen Universum abzuheben vermag. Auch die Verarbeitung ist trotz recht hartem Hartplastik herzeigbar, die Platzverhältnisse in Reihe eins sind gar fürstlich. Etwas beengter geht es auf der Rückbank zu, trotzdem mag sich mancher am Ende die Frage stellen, wo denn jetzt der Pick-up im Amarok steckt, wo das Abenteuer liegt, das Gefühl von Freiheit.

Nun, in vielerlei Hinsicht ist auch der VW ein klassischer Vertreter seiner Zunft. Die schiere Größe macht ihn innerstädtisch zu einem Elefanten im Porzellanladen, dafür besitzt er permanenten Allrad und einen Offroad-Modus. Weiters findet sich im Prospekt eine Angabe zur maximalen Wattiefe, wo dann auch der etwas bescheidene Komfort nicht mehr weiter auffällt. Der Amarok besitzt, eh klar, keinen Kofferraum, sondern eine Ladefläche. Die ist übrigens 2,52 m² groß, maximal belastbar mit 745 Kilogramm und quasi der finale Beweis, dass der neue VW Amarok bei allen PKW-nahen Qualitäten ein waschechter Pick-up ist.


Was er kann:
Übersichtlich sein, auch dank Rückfahrkamera. 

Was er nicht kann:
Nur einen Parkplatz besetzen.

Extralob gibt es:
V6 + 8-Gang-Automatik. 

Ändern würden wir:
Die eigene, zu kleine, Garage.


Daten VW Amarok Aventura V6 TDI 4×4
Motor: 6-Zylinder Diesel-Turbomotor
Hubraum: 2.967 ccm
Leistung: 224 PS
Max. Drehmoment: 550 Nm bei 1400 U/min
Testverbrauch: 10,1 Liter
Vmax: 191 km/h
0 auf 100 km/h: 8,0 Sek.
Preis ab EUR 53.928,00