Minivans gewinnen ja nicht gerade Schönheitspreise. One-Box-Design auf vier Rädern, höchst praktikabel angerichtet und innen flexibel veränderbar. Je nachdem, ob man möglichst viele Leute oder einfach nur Packgut befördern will. Renault war ja immer ein Vorreiter für solcherart Fahrzeuge, die Modelle Espace oder Scenic die höchstpraktischen Vorreiter ihrer jeweiligen Marktsegmente.

Der Renault Scenic avancierte zum „bunten Hund“ unter den Minivans.

Schon der neue Renault Espace spricht eine deutlich andere Sprache. Platz hat er noch immer genug, doch ganz oben am Lastenheft stand der Begriff „Lifestyle“. Das selbe Spiel jetzt beim Renault Scenic. Er avancierte zum „bunten Hund“ unter den Minivans. Umrundet man den Testwagen, fallen zuerst einmal die resche Farbwahl und dann gleich auch noch die etwas groß geratene Bereifung auf. Beides hebt den Renault Scenic aus der grauen Masse der Vans überdeutlich heraus. Als Anhänger möglichst fruchtiger Farbgebung ist für mich persönlich natürlich dieses saftige Gelb-Orange Metallic erste Wahl. Damit flasht der Scenic schon ordentlich im Verkehrsgewühl. Zweiter Hingucker sind die 20 Zoll großen Räder, die ebenfalls eine Show sind. Dass Renault diese Besohlung durchgezogen hat, verdient Anerkennung, lässt sie das Auto fast wie eine Designstudie wirken – zumindest optisch.

Fingerabdrücke am Touch-Screen. Da heisst es putzen.
Verarbeitung und Materialanmutung ist top. Die Sitzposition passt hervorragend.

Auch innen ist der Scenic nicht wiederzuerkennen. Das Interieur dominiert ein hochkant stehender Touchscreen-Monitor. Die Sitze sind fein abgesteppt, sehen toll aus und sind auch noch superbequem. Wer möchte, lässt sich von ihnen durchmassieren. Das Lenkrad steht jetzt normal im Raum – die lastwagenhaft-flache Lenkradstellung des Vorgängers ist passé.

Prägnant sind die großen Räder und die steil ansteigende Fensterlinie.

Das Mobiliar ist nach wie vor vielfach verstellbar – dennoch, die „Schweizermesser“-hafte Praktikabilität des Vorgängers bietet der Neue nicht mehr. Eine Vielzahl an Ablagen will befüllt werden – die Bodenfächer im Fond haben überlebt. Auch der Platz für die Hintensitzenden ist geschrumpft, hinten sitzt man relativ tief mit stark angewinkelten Knien.

 

Voll-LED Scheinwerfer mit toller Lichtleistung

Die Bedienbarkeit spiegelt den momentanen Stand der Marke Renault wider. Soll heißen: Sehr viele Funktionen sind mittels R-Link2 System nach Herzenslust konfigurierbar. Es lohnt sich, sich vor der ersten Ausfahrt ein halbes Stündchen ins System einzulernen. Vor allem ältere Semester, die den alten Scenic gefahren (und geliebt) haben, werden sich vielleicht ein bissl schwerer mit dem neuen tun. Jüngere (oder Junggebliebene) werden die vielen Möglichkeiten des Infotainmentsystems schätzen.

Das Renault-Markengesicht fällt auf und gefällt.

Ebenfalls konfigurieren lässt sich die Fahrcharakteristik des Scenic. Man darf aus verschiedenen Modi auswählen, von Sport über Eco bis Komfort. Im Sportmodus wirkt der Scenic spritziger und die Instrumentenbeleuchtung switcht auf Rot. Im Komfortmodus massieren die Sitze den geschundenen Rücken automatisch. Der 130 PS starke Turbodieselmotor verrichtet dabei seine Arbeit unauffällig und angenehm effizient (Testschnitt 5,4 Liter Diesel / 100 km). Etwas störend haben wir die knochig-langwegige Handschaltung empfunden – hier spricht viel für die Automatikversion. Ebenfalls zwiespältig empfanden wir die oben angesprochene 20″-Bereifung. Für das tolle Design zahlt man halt schon einen relativ hohen Preis in Form von hartem Abrollverhalten, welches so irgendwie nicht ins Konzept passt. Vor allem auf schlechten Straßen wünscht man sich irgendwann zwei, drei Zoll weniger und dafür mehr dämpfenden Gummi zwischen der Fahrbahn und der Felge. Aber wer so schön sein will, muss halt hin und wieder mal leiden. Alles eine Einstellungssache.

Fazit:
Der neue Renault Scenic zeigt, dass man das Thema Minivan nicht immer bierernst bieder angehen muss. Er sieht einfach toll aus – dass dabei der Komfort ein wenig auf der Strecke bleibt und auch das Platzangebot nicht mehr das alte ist, könnte manche Interessenten stören. Wir empfehlen jedenfalls eine ausführliche Probefahrt oder bei größerem Platzbedarf den Griff zum Grand Scenic.

Daten Fakten
Renault Scenic Bose
Motor: 4-Zylinder Commonrail-Turbodiesel
Hubraum: 1.598 ccm
Leistung: 130 PS
Testverbrauch: 5,4 Liter Diesel / 100 km
Preis: ab EUR 27.990,-