Der Hyundai Ioniq ist das erste Modell der Welt, welches als Hybrid, Plug-in-Hybrid und reines Elektro-Auto angeboten wird. Szenenapplaus. Standing Ovations. Wie auch immer man zu der Marke Hyundai steht, mindestens Anerkennung, tendenziell aber eher Lob und Begeisterung ist den Koreanern gewiss. Zumindest aus dem Journalisteneck, die Konkurrenz wird naturgemäß keine Laudatio halten. Wahrscheinlich, weil keiner gern von Anderen den Spiegel vorgehalten bekommt um so seine eigenen Versäumnisse erkennen und reflektieren zu können. Tatsache ist, irgendein ökologisch herzeigbares Modell hat beinahe jeder Hersteller im Portfolio, aber bei einer derartigen Breitenwirksamkeit, wie Hyundai sie ansatzlos mit dem Ioniq erreicht, müssen sie alle passen.

Man darf somit ruhig sagen, wir gehen mit einer gewissen Basisbegeisterung in diesen Test, dessen Hauptakteur der Ioniq Hybrid ist. Er geht in eine Nische, welche seit Jahren lediglich von Toyota und seinem schwächelnden Luxusableger Lexus besetzt wird. Noch homöopathischeres wie VW Jetta oder Ford Mondeo schenken wir uns. Optisch setzt der Ioniq dabei auf eine, sagen wir, gefällige Erscheinung. Es präsentiert sich ein modern gezeichneter, mit einem Hauch von Dynamik versehener Kompakter. Auch der Innenraum vereint die selben Attribute,  wirkt modern, aber vielleicht etwas underdressed. Angesichts der technischen Finessen des Ioniq eine Zurückhaltung, die so nicht notwendig gewesen wäre.

Zum Antrieb: Hyundai kombiniert einen 105 PS starken 1,6 Liter-GDI mit einem 44 PS starken Elektromotor, was zu Adam Riese´s erschrecken eine Systemleistung von 141 PS ergibt. Der Ioniq verzichtet also auf Turbounterstützung, kommt dabei aber trotzdem auf respektable 265 Newtonmeter maximales Drehmoment, welche – Achtung wichtig – von einem modernen und fein arbeitenden 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe portioniert und serviert werden. Von ebensolcher Arbeitsweise läßt sich vom Duo Benziner-Elektriker berichten, alles läuft wie am Schnürchen.

Hyundai sieht seine Antriebe sowieso mehr als dynamisches Duo, einen reinen E-Modus bietet der Ioniq nicht. Als Fahrer bist du der Technik ausgeliefert, nur der Gasfuß bleibt als letztes quasi Druckmittel. Grundsätzlich animiert der Koreaner zu einer offensiven Fahrweise, 11,1 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h vergehen gefühlt um einiges schneller. Bei Bedarf haben die beiden Antriebe leichtes Spiel mit dem Ioniq, die sehr gut getimten Schaltpunkte des DSG lassen den Hybriden dabei stets schneller und dynamischer wirken als er tatsächlich ist. Das grundsätzlich komfortabel ausgelegte Fahrwerk ist dem nicht gänzlich abgeneigt.

Das hat dramatische Folgen auf den Verbrauch. Nein, Scherz, für mehr als fünf Liter muss man schon Grenzen überschreiten, die nach Deutschland zum Beispiel. Im Schnitt wird sich der Konsum immer rund um 4,5 Liter bewegen, abhängig auch von der Besetzung. Wir erwähnen das deshalb explizit, weil der Ioniq vier Erwachsene mit offenen Türen entgegen nimmt, dabei immer noch 443 Liter Kofferraumvolumen offeriert und es dann immer noch nirgends zwickt. Ein hybrider Kompaktwagen mit Reisetalent.

Und wie schlägt sich das auf den Preis nieder? Auch unter Berücksichtigung eines herzeigbaren Assistentenaufkommens? Von Navigationssystem, vollklimatisierten Ledersitzen, adaptivem Tempomaten und Bi-Xenon-Scheinwerfern? Und weil Hybride ja sowieso und überhaupst immer teuer sind? Nun, EUR 32.390,00 lautet die Antwort des Ioniq. Und schon wieder schaut die Konkurrenz beschämt weg.

Video: Hyundai hat seine Hausaufgaben perfekt gemacht – dies beweist auch der hervorragend bestandene Crashtest.


Was er kann:
Bewegung in die hybride Autowelt bringen.


Was er nicht kann:
Rein elektrisch fahren.


Extralob gibt es:
Für die Entscheidung pro DSG.


Ändern würden wir:
Dem Design etwas mehr Würze verleihen.  


Daten Hyundai Ioniq Hybrid Style 1,6 GDI
Motor: Benzinmotor + Elektroantrieb
Hubraum: 1.598 ccm
Systemleistung: 141 PS
Max. Drehmoment: 265 Newtonmeter
Testverbrauch: 4,6 Liter
Vmax: 185 km/h
0 auf 100 km/h: 11,1 Sek.
Preis ab EUR 27.040,00